
Der Zeiger liegt auf dem Farbrad für die Mitteltöne, zwei Grad Richtung Blau, und auf dem Bildschirm kippt das Gesicht der Café-Chefin aus dem Schanzenviertel von fiebrig-rot zurück zu normal. Genau in solchen Momenten entscheidet sich beim iPhone-Filmmaking, ob ein Clip nach echtem Café aussieht oder nach schlecht eingestelltem Fernseher. So arbeite ich inzwischen beim Color Grading in Final Cut Pro X, ziemlich anders als am Videoschnitt-Anfang. Ja, hier stehen Affiliate-Links zu Kursen, die ich selbst durchgearbeitet habe, kaufst du darüber, bekomme ich eine Provision, ohne dass du mehr zahlst.
Zwei Drehs, zwei Lichtprobleme
Zwei Aufträge liegen für den Vergleich hier bereit. Der erste ist der Café-Clip von oben, gedreht bei warmem Kunstlicht direkt über dem Tresen. Der zweite kommt von Gudrun Kamp, die einen kleinen Frisiersalon in Hamburg-Altona führt und mich über einen Instagram-Clip gefunden hat — ihr Laden hat Neonröhren an der Decke und ein Schaufenster, durch das mittags flaches Tageslicht hereinfällt, zwei Lichtquellen, die sich in der Farbtemperatur nie ganz einig sind. Beide Clips landen am Schnittplatz auf demselben Timeline-Export, aber sie brauchen komplett unterschiedliche Startpunkte beim Grading.
Warum Presets bei beiden Clips versagen
Am Anfang habe ich geglaubt, ein fertiger Filter sei die Abkürzung zum guten Look. Das war ein Irrglaube, über den ich heute noch grinsen muss, wenn ich die alten Clips sehe. Bevor Final Cut Pro X überhaupt auf meinem Rechner lag, habe ich mit der Gratisversion einer Schnitt-App gearbeitet, die mir bei jedem exportierten Video ein Wasserzeichen mitten ins Bild brannte. Das war der Punkt, an dem ich gewechselt bin. Aber auch mit dem richtigen Programm bleibt die Versuchung groß, sich eine fertige LUT zu schnappen und über den ganzen Clip zu legen, wie eine Schablone, die angeblich zu jedem Motiv passt.
Genau da liegt der Unterschied zwischen den beiden Drehs oben. Beim Café-Clip mit reinem Kunstlicht reicht es oft, die Mitteltöne minimal zu verschieben. Bei Gudruns Mischlicht-Situation dagegen verzerrt eine fertige LUT die Neonfarbe komplett anders als das Tageslicht vom Fenster, und das Ergebnis kippt schneller ins Unnatürliche, als man reagieren kann. Final Cut Pro X bietet dafür vier separate Farbräder — Global, Shadows, Midtones, Highlights — und nur die manuelle Kontrolle über alle vier erlaubt es, zwei so unterschiedliche Lichtquellen im selben Projekt anzugleichen. Welche Schnittsoftware du überhaupt nutzt, ist am Ende auch eine Typfrage, mit Final Cut Pro X, Premiere oder einem günstigeren Tool kommst du alle ans Ziel, aber die Bedienung der Grading-Werkzeuge unterscheidet sich spürbar.
Wie liest man die Scopes bei Kunstlicht und Tageslicht richtig?
Der Waveform-Monitor macht bei Gudruns Mischlicht den größten Unterschied. Früher habe ich den Weißabgleich nach Auge gemacht und danach oft nochmal von vorne angefangen, weil der Eindruck am Bildschirm abends ein anderer war als am Morgen. Mit dem Scope sehe ich stattdessen, wo die Belichtung wirklich liegt, unabhängig davon, wie müde meine Augen gerade sind. Der Ablauf ist bei beiden Clips im Kern gleich — erst richte ich über das Waveform die Belichtung so aus, dass Schwarz nicht absäuft und Weiß nicht ausbrennt, dann korrigiere ich mit den Farbrädern den Farbstich, bei Gudruns Salon ziehe ich die Mitten meist ein Stück aus dem Neongrün heraus, beim Café eher sanft aus dem zu warmen Orange. Erst danach kommen die Hauttöne dran, weil eine verschobene Sättigung dort sofort auffällt, und erst ganz zum Schluss der eigentliche kreative Look, beim Café etwas wärmer, bei Gudruns Salon eher neutral und klar, damit die Haarfarben ihrer Kundinnen auf dem Bildschirm stimmen.
Was in diesem Schritt bewusst nicht passiert, ist der Ton. Nikolai, der Tonmann aus meinem Dreh-Netzwerk, hört Brummschleifen schon raus, bevor die Kamera überhaupt läuft, aber Pegel und Rauschen bearbeite ich in einem komplett getrennten Durchgang nach dem Grading, nicht parallel dazu. Beidos gleichzeitig zu machen verwässert am Schluss beide Ergebnisse.
Kurs oder Eigenregie: Wann sich der Final Cut Pro X Einsteigerkurs lohnt
Licht in den Griff zu bekommen ist nochmal ein eigenes Thema, das eher bei der Ausleuchtung als beim Grading anfängt, dazu schreibe ich an anderer Stelle mehr. Hier geht es nur um das, was aus der Kamera schon rauskommt. Und da merke ich im Vergleich der beiden Drehs, wahllos Clips auf YouTube durchklicken bringt dich bis zu einem gewissen Punkt, aber sobald du für mehrere Kunden mit unterschiedlichem Licht drehst, brauchst du einen Ablauf, der nicht bei jedem neuen Projekt neu erfunden wird. Wenn du überhaupt erst noch lernen willst, wie man mit dem Smartphone dreht und danach schneidet, ist der Videoschnitt-Kurs für Selbständige ein guter Ausgangspunkt. Die Dozentin Anuschka Bacic kommt aus dem Journalismus und baut den Kurs komplett um Smartphone-Aufnahmen herum, ohne dass du Spezial-Equipment brauchst.
Wenn genau das Grading selbst dein Nadelöhr ist und der Schnitt schon sitzt, ist der zweite Kurs interessanter, den ich verlinke. Color Grading Grundlagen geht ausschließlich in die Tiefe bei Weißabgleich, Kontrast, Hauttönen und Shot Matching zwischen verschiedenen Kameras oder Handys, verteilt auf 26 kurze Videos. Für den kompletten Umbau meines Workflows, von der Kameraeinstellung bis zum fertigen Export, habe ich außerdem aufgeschrieben, wie ich das bei mir umgesetzt habe. Das steht in meinem Artikel über Final Cut Pro X lernen als Anfänger.
Was beim fertigen Export zählt
Beim ersten Clip, den ich nach diesem Ablauf wirklich fertig exportiert habe, saß ich allein in einem dunklen Zimmer, nur der Bildschirm leuchtete blau in den Raum, mitten in der Nacht. Ich drückte auf Play, und zum ersten Mal sahen die Hauttöne der Café-Chefin genauso warm aus wie an dem Nachmittag im Laden selbst, nicht fiebrig, nicht künstlich, einfach richtig.
Für ein Café oder einen Salon zählt vor allem, ob die Kundschaft beim Zuschauen Lust bekommt, selbst vorbeizukommen, nicht die Pixelzahl. Wenn du nur einen einzelnen Clip für Social Media brauchst, reicht ein Abend mit den Farbrädern und dem Waveform-Monitor völlig aus, das kannst du dir mit ein bisschen Geduld selbst beibringen. Sobald der Look aber über mehrere Kunden und Lichtsituationen hinweg gleich aussehen soll, wie bei mir zwischen Café und Frisiersalon, lohnt sich ein strukturierter Kurs mehr als weiteres Herumprobieren. Für den kompletten Ansatz mit anderen Tools schau dir auch meine Smartphone Color Grading Tipps an. Gudrun jedenfalls empfiehlt mich seitdem regelmäßig weiter, wenn sie mit dem Ergebnis zufrieden ist, und genau solche Weiterempfehlungen zählen mehr als jede einzelne Regleroption. Wer selbst diesen Sprung machen will, findet im Videoschnitt-Kurs für Selbständige einen soliden Ausgangspunkt für Dreh und Schnitt zusammen.